Deep Dive

Was ist kohärentes Wasser?

Was es ist, woher es kommt und was es von normalem Wasser unterscheidet. Erst einfach erklärt, dann mit harten Fakten und Primärquellen.

Kurz gesagt

Kohärentes Wasser ist Wasser, dessen Moleküle sich ordnen und gemeinsam verhalten. In normalem Wasser lösen sich die Verbindungen zwischen den Molekülen ständig und bilden sich neu. Im kohärenten Zustand schwingen die Moleküle im Gleichtakt, in sogenannten kohärenten Domänen. An wasserliebenden Oberflächen legen sie sich zu stabilen, sechseckigen Schichten, die Prof. Dr. Gerald H. Pollack EZ-Wasser nennt.

Von Dipl.-Ing. (FH) Christian Bernd Bauer · Stand 9. Oktober 2026 · 36 Quellen

HHO109,5°gestrichelt: 104,5° (normal)kräftig: 109,5° (energiereich)
Nimmt das Wassermolekül Energie auf, weitet sich sein Winkel von 104,5° auf 109,5°. Dann ordnen sich die Nachbarn zu einem Sechseck.

Teil 1

Kohärentes Wasser einfach erklärt

Vier Fragen, vier kurze Antworten. Ohne Formeln, dafür mit Bildern.

Was heißt kohärent?

Kohärent heißt: im Gleichtakt. Kohärentes Wasser ist Wasser, in dem viele Moleküle dasselbe tun, statt jedes für sich.

Stell dir einen Chor vor. In normalem Wasser singt jedes Molekül seine eigene Melodie, und die Verbindungen zu den Nachbarn wechseln ständig. In kohärentem Wasser singen viele Moleküle im selben Takt, nach dem Modell von Del Giudice rund sechs Millionen in einer einzigen Domäne[1].

Woher kommt es?

Geordnetes Wasser entsteht auf mehreren Wegen.

  • Oberflächen

    Wo Wasser eine wasserliebende Fläche berührt, ordnet es sich zu einer Schicht. Gele, Kunststoffe, Pflanzenfasern und manche Metalle sind solche Flächen[2][3].

  • Licht

    Licht lässt die geordnete Schicht wachsen, am stärksten Infrarot. Nach einer Stunde war sie im Versuch sechsmal so breit[4].

  • Nähe

    Rücken die Moleküle eng genug zusammen, beginnen sie gemeinsam zu schwingen. So entsteht nach dem Modell von Preparata und Del Giudice eine kohärente Domäne[5].

Was ist der Unterschied zu normalem Wasser?

Normales Wasser ist ständig in Bewegung: Die Brücken zwischen seinen Molekülen halten nur Billionstel Sekunden[6]. Geordnetes Wasser hält seine Form. Drei Schritte führen dorthin.

  • HHO104,5°109,5°+5°vergrößertnormalenergiereich

    Der Winkel weitet sich auf

    Nimmt das Wassermolekül Energie auf, rücken seine beiden Wasserstoff-Atome näher an den Sauerstoff. Beide sind positiv geladen, also stoßen sie sich ab, und der Winkel zwischen ihnen wird größer.

    Bei 109,5° entstehen im Wasser hexagonale Strukturen.

  • einzelnim Gleichtakt

    Die kohärente Domäne entsteht

    Wird das Wasser dicht genug und rücken die Moleküle nah genug zusammen, schwingen sie in gleicher Ausrichtung und gleicher Frequenz. Das entstehende Feld zieht weitere Moleküle hinein.

    Der Verband arbeitet auf einem eigenen Energieniveau.

  • ungeordnethexagonal geordnet

    Die Struktur ordnet sich

    An Oberflächen hält die Ordnung. Die Moleküle legen sich zu sechseckigen Schichten, Prof. Dr. Pollack nennt sie EZ-Wasser. Diese Schicht ist weit stabiler als die Domäne.

    Hexagonalstruktur gilt Dr. Warnke als Anzeichen für energiereiches Wasser.

Der Winkel ist der erste Schritt. Im freien Wassermolekül stehen die beiden Wasserstoff-Atome im Winkel von 104,5° zueinander[7]. Nach dem Modell von Dr. Ulrich Warnke weitet sich der Winkel auf 109,5°, wenn das Molekül Energie aufnimmt[8]. 109,5° ist der Winkel, in dem die Moleküle im Eis ihr sechseckiges Gitter bilden[9].

Christian Bauer erklärt die kohärente Struktur im Video (8 Minuten). Alle Videos der Reihe auf YouTube

Was bringt es?

Geordnetes Wasser verhält sich messbar anders als gewöhnliches Wasser. Vier Eigenschaften:

  • Ordnung, die hält

    An einer Oberfläche bleibt die geordnete Schicht bestehen, typischerweise mehrere hundert Mikrometer breit[2].

  • Getrennte Ladung

    Die geordnete Schicht ist negativ geladen, das Wasser davor positiv[10]. Prof. Dr. Pollack vergleicht das mit einer Batterie.

  • Energie aus Licht

    Unter Licht wächst die Schicht, und vor ihr sammelt sich Säure[4]. Aus Strahlung wird so Ordnung und getrennte Ladung.

  • Eine Zone, die frei bleibt

    Die Schicht schiebt gelöste Teilchen hinaus[11]. Daher kommt ihr Name: Ausschlusszone, englisch Exclusion Zone, kurz EZ.

Teil 2

Kohärentes Wasser: harte Fakten

Jede Zahl mit ihrer Fundstelle. Über jedem Abschnitt steht, ob er eine Messung beschreibt oder ein Modell.

Das Wassermolekül und das Eis

Messung

Ein Wassermolekül besteht aus einem Sauerstoff-Atom und zwei Wasserstoff-Atomen. Im freien Molekül stehen die beiden Bindungen im Winkel von 104,48° zueinander, gerundet 104,5°[7].

Im Eis sitzt jedes Molekül in der Mitte eines Tetraeders aus vier Nachbarn[9]. Der Tetraederwinkel beträgt 109,47°, in Grad und Minuten 109° 28′. Aus diesen Tetraedern baut sich das sechseckige Gitter des gewöhnlichen Eises auf, Eis Ih[12].

Wasser ist dabei ein ungewöhnlicher Stoff. Am dichtesten ist es bei 3,983 °C mit 999,975 kg/m³[13], also als Flüssigkeit. Deshalb schwimmt Eis, und Seen frieren von oben zu.

Der Winkel im Modell von Dr. Warnke

Modell

Dr. Ulrich Warnke beschreibt den Weg zu geordnetem Wasser über den Winkel: Nimmt das Molekül Energie auf, weitet sich der Winkel von 104,5° auf 109,5°[8][14].

Bei 109° 28′ entstehen nach seinem Modell die hexagonalen Strukturen, aus denen kohärente Domänen und EZ-Wasser bestehen[8]. Das ist genau der Tetraederwinkel des Eises. Das Modell verbindet so die gemessene Geometrie des Eises mit dem geordneten Zustand im flüssigen Wasser.

In seinem Buch „Bionisches Wasser", geschrieben mit Florian Warnke, führt Dr. Warnke die Arbeiten von Pollack, Del Giudice und Preparata zusammen[8].

Wasserstoffbrücken: ein Netz, das sich ständig umbaut

Messung

Jedes Wassermolekül kann über Wasserstoffbrücken an bis zu vier Nachbarn binden[15].

Im flüssigen Wasser sind diese Brücken extrem kurzlebig. Eine Brücke schwingt mit einer Periode von 170 Femtosekunden, und das ganze Netz ordnet sich innerhalb von 1,2 Pikosekunden um[6]. Eine gelöste Brücke findet nach weniger als 200 Femtosekunden einen neuen Partner[16].

Röntgenmessungen zeigen, dass die meisten Moleküle im flüssigen Wasser zwei starke Brücken tragen, nicht vier wie im Eis[17]. Die Struktur schwankt zwischen einer tetraedrisch geordneten und einer ungeordneten Anordnung[15].

normales WassergeordnetBrücken wechseln in Pikosekundenein sechseckiges Netz
Links lösen sich die Brücken ständig und bilden sich neu. Rechts halten sie ein sechseckiges Netz wie im Eis.

Kohärente Domänen: das Modell von Preparata und Del Giudice

Modell

1988 beschrieben die Physiker Emilio Del Giudice, Giuliano Preparata und Giuseppe Vitiello Wasser mit den Mitteln der Quantenelektrodynamik[18]. Nach ihrem Modell schwingen die Moleküle in kleinen Bereichen im Gleichtakt mit einem gemeinsamen elektromagnetischen Feld.

Diese Bereiche heißen kohärente Domänen. Eine Domäne misst 75 bis 100 Nanometer und enthält rund sechs Millionen Moleküle[19][1].

Die Moleküle einer Domäne schwingen zwischen ihrem Grundzustand und einem angeregten Zustand bei 12,06 eV. Das liegt knapp unter 12,60 eV, der Schwelle, an der ein Elektron das Molekül verlässt[1][20].

Ab einer kritischen Dichte gehen die Moleküle in den kohärenten Zustand über. Für das Niveau von 12,06 eV berechnet Preparata 0,31 g/cm³[19]. Flüssiges Wasser besteht nach dem Modell bei jeder Temperatur aus beiden Anteilen, die ständig ineinander übergehen[5]. Eine ausführliche Herleitung geben Bono, Del Giudice, Gamberale und Henry[21].

Domäne: 12,06 eVdazwischen ungeordnet⌀ 0,1 µm
Außen schwingt jedes Molekül für sich, in der Domäne alle im selben Takt. Modell nach Del Giudice und Preparata.

EZ-Wasser: die Ausschlusszone an Oberflächen

Messung

2003 beobachteten Jian-Ming Zheng und Gerald H. Pollack an der University of Washington eine Zone vor wasserliebenden Gelen, aus der gelöste Mikrokugeln verdrängt werden. Die Zone war rund 100 Mikrometer breit, und die Autoren zeigten, dass sie kein Messartefakt ist[11].

Diese Ausschlusszone, englisch Exclusion Zone, gab dem EZ-Wasser seinen Namen. Sie ist typischerweise mehrere hundert Mikrometer breit und bildet sich an Hydrogelen, Polymeren, Monolagen und Ionentauschern[2]. Neben dem übrigen Wasser besteht sie unbegrenzt[2].

Auch an Metallen wie Zink entsteht sie, dort bis etwa 200 Mikrometer breit[3]. In den Leitgefäßen von Pflanzen misst sie beim Kürbis bis 240 Mikrometer[22]. An Kügelchen wächst sie mit dem Durchmesser der Kugel[23].

Eine unabhängige Gruppe der Semmelweis-Universität Budapest hat die Zone mit optischen Pinzetten vermessen: An Nafion überschreitet sie binnen Minuten 100 Mikrometer[24]. Mehrere Labore haben sie inzwischen beschrieben[25].

−−−−+++wasserliebende OberflächeAusschlusszone (EZ)Teilchen werden verdrängtBreite: 100 bis einige 100 µm
An einer wasserliebenden Oberfläche wächst die Zone und schiebt gelöste Teilchen hinaus. Sie ist negativ geladen, das Wasser davor positiv.

Vom Molekül zur Zone: die Größen

Die drei Stufen spielen auf sehr verschiedenen Größen. Zwei benachbarte Moleküle trennen im flüssigen Wasser rund 0,31 Nanometer[19]. Eine Domäne ist im Modell etwa dreihundertmal so groß[1], die Ausschlusszone noch einmal tausendmal größer[2].

0,1 nm1 mmMolekülabstand0,31 nmDomäne (Modell)0,1 µmAusschlusszone100 µm und mehr
Sieben Zehnerpotenzen auf einer Linie: jeder Strich ist zehnmal so groß wie der vorige.

Wie man die Zone misst

Messung

Die Zone unterscheidet sich vom übrigen Wasser in mehreren Messgrößen. Jede lässt sich im Labor nachprüfen.

MethodeBefund
Mikrokugeln unter dem MikroskopDie Zone bleibt frei von Teilchen, 100 bis mehrere hundert Mikrometer breit[11][2]
UV-SpektroskopieAbsorptionsbande bei rund 270 Nanometern[26]
ElektrodenNegatives Potenzial gegenüber dem übrigen Wasser, rund −100 bis −200 mV[10][27]
pH-FarbstoffHinter der Zone sammelt sich Säure, der pH-Wert fällt unter 3[4]
Kernspinresonanz (NMR)Kürzere Relaxationszeiten und langsamere Selbstdiffusion als freies Wasser[28]
FallkugelDie Zone ist zäher als freies Wasser[29]
Schmelzendes EisDie 270-nm-Bande erscheint kurz und verschwindet im flüssigen Wasser[30]
200 nm270 nm400 nmEZ-Wasser: Maximum bei 270 nmübriges WasserLichtabsorption im UV (schematisch)
Schematisch nach Chai, Zheng, Zhao und Pollack 2008: EZ-Wasser absorbiert ultraviolettes Licht mit einem Maximum bei rund 270 Nanometern.

Warum die Formel H₃O₂⁻?

Modell

Prof. Dr. Pollack beschreibt die Zone als Stapel flacher Wabenschichten. In jeder Schicht kommen auf zwei Sauerstoff-Atome drei Wasserstoff-Atome, und jede Wabeneinheit trägt eine negative Ladung. Daraus ergibt sich die Formel H₃O₂⁻[29].

Das Ion H₃O₂⁻ selbst ist in der Chemie gemessen. Es entsteht, wenn ein Hydroxid-Ion ein Wassermolekül bindet, und wurde als Ion in der Gasphase spektroskopisch untersucht[31][32].

Pollacks Modell erklärt damit zweierlei: die negative Ladung der Zone und die Säure, die sich vor ihr sammelt[4].

Licht lässt die Zone wachsen

Messung

Licht vergrößert die Ausschlusszone, umkehrbar und abhängig von der Wellenlänge[4].

Am stärksten wirkt Infrarot bei 3,1 Mikrometern. Nach 10 Minuten war die Zone 3,7-mal so breit, nach 30 Minuten 4,7-mal und nach einer Stunde 6,1-mal[4]. Schon schwaches Infrarot, das das Wasser um höchstens 1 °C erwärmte, vervierfachte sie in 10 Minuten[27].

Das passt zur Absorption des Wassers: Am stärksten schluckt Wasser Licht bei 2,95 Mikrometern, dort dringt es weniger als einen Mikrometer tief ein[33]. Auch mittleres Infrarot wirkt, fünf Minuten vergrößern die Zone um den Faktor 1,41[34].

Während die Zone wächst, sammelt sich vor ihr Säure. Der pH-Wert fällt direkt dahinter unter 3 und bleibt bis 10 Millimeter Abstand gesenkt[4]. Das Wasser trennt so Ladung. Prof. Dr. Pollack vergleicht das mit einer Batterie, die Licht auflädt[29].

ohne Infrarotmit Infrarot (3,1 µm)Infrarot
Schematisch nach Chai, Yoo und Pollack 2009: Unter Infrarot wächst die Zone, nach 10 Minuten auf das 3,7-Fache.

Von der Domäne zur Schicht: die drei Stufen

Modell

Del Giudice und Kollegen verbinden die beiden Stränge. An wasserliebenden Oberflächen wird der kohärente Anteil größer und bleibt zeitlich stabil[35]. Aus Domänen-Wasser wird so EZ-Wasser[20].

Im kohärenten Zustand ist ein Elektron je Molekül nur schwach gebunden, mit rund 0,4 eV[35]. So ergeben sich drei Stufen mit wachsender Ordnung und Beständigkeit: normales Wasser, kohärente Domäne und EZ-Wasser[8].

EZ-Wasser: An Oberflächen hält die Ordnung und wird zu sechseckigen Schichten. Das ist die beständigste der drei Stufen.

normales Wasserkohärente DomäneEZ-Wasserhexagonal geordnet
Bindungswinkel104,5°109,5°109,5°
OrdnungWasserstoffbrücken lösen sich und bilden sich neuMoleküle schwingen im Gleichtaktsechseckige Schichten
FormelH₂OH₂OH₃O₂⁻
EnergieniveauGrundzustand12,06 eV12,06 eV
BeständigkeitBrücken halten Sekundenbruchteilewechselt ständig mit normalem Wasserweit stabiler als die Domäne
Wozwischen den DomänenInseln im Wasseran Oberflächen
Ladungelektrisch neutralein Elektron je Molekül fast freinegativ, das Wasser davor positiv

Grenzflächenwasser in der Natur

Messung

Die Zone ist kein Sonderfall des Labors. Sie bildet sich an Cellulose, dem Baustoff der Pflanzen[36]. In den Leitgefäßen von Kohl, Sellerie und Spargel ist sie 133 bis 142 Mikrometer breit, beim Kürbis bis 240 Mikrometer, und sie verdrängt dort Kunststoff- wie Glaskügelchen[22].

Beim Schmelzen von Eis erscheint die UV-Signatur der Zone für kurze Zeit. Pollacks Gruppe deutet die Zone deshalb als Zwischenstufe zwischen Eis und flüssigem Wasser[30].

Hexagonales, strukturiertes, kohärentes Wasser: die Begriffe

Viele Namen meinen Ähnliches, aber nicht dasselbe. Hexagonal beschreibt die Form, kohärent das Verhalten, EZ den Ort.

Acht Begriffe, die oft vermischt werden, und was jeder genau meint.
BegriffWas gemeint istHerkunft
Kohärentes WasserWasser, dessen Moleküle im Gleichtakt schwingen (Domäne) oder sich an Oberflächen geordnet schichten (EZ).Dr. Ulrich Warnke, nach dem Modell von Preparata und Del Giudice[8]
Kohärente DomäneBereich von rund 0,1 µm, in dem Moleküle im Gleichtakt mit einem gemeinsamen Feld schwingen.Del Giudice, Preparata und Vitiello, seit 1988[18]
EZ-WasserGeordnete, negativ geladene Schicht an wasserliebenden Oberflächen, die gelöste Teilchen ausschließt.Zheng und Pollack, seit 2003[11]
Vierte Phase des WassersPollacks Name für EZ-Wasser, als Zustand zwischen Eis und flüssigem Wasser.Pollack 2013[29]
Hexagonales WasserWasser mit sechseckiger Anordnung der Moleküle. Gemessen im Eis, im EZ-Modell als Wabenschicht.Eis: Kuhs und Lehmann[9]; EZ: Pollack[29]; ausführlich: Was ist hexagonales Wasser?
Strukturiertes WasserSammelbegriff für Wasser mit mehr Ordnung als gewöhnlich, ohne feste Definition.Umgangssprache und Handel
Belebtes WasserHandelsbegriff für Wasser, das mit Geräten aufbereitet wird.Handel
Eis IhDas gewöhnliche Eis: ein sechseckiges Gitter aus Molekülen im Tetraederwinkel.Kristallografie[9]

Häufige Fragen zu kohärentem Wasser

Glossar

Bindungswinkel
Der Winkel zwischen den beiden Bindungen eines Wassermoleküls. Im freien Molekül beträgt er 104,48°[7].
Tetraederwinkel
Der Winkel zwischen den Ecken eines Tetraeders, von der Mitte aus gesehen: 109,47° oder 109° 28′. So stehen die Moleküle im Eis zu ihren Nachbarn[9].
Wasserstoffbrücke
Eine schwache Bindung zwischen dem Wasserstoff eines Moleküls und dem Sauerstoff eines Nachbarn. Im flüssigen Wasser lebt sie nur Billionstel Sekunden[6].
Kohärenz
Gleichtakt: Viele Teilchen schwingen mit derselben Frequenz und in fester Phase zueinander.
Kohärente Domäne
Ein Bereich von rund 0,1 Mikrometern, in dem Wassermoleküle nach dem Modell von Del Giudice und Preparata im Gleichtakt schwingen[1].
EZ-Wasser
Exclusion-Zone-Wasser: die geordnete, negativ geladene Wasserschicht an wasserliebenden Oberflächen, die gelöste Teilchen ausschließt[2].
Vierte Phase des Wassers
Pollacks Name für EZ-Wasser, als Zustand zwischen Eis und flüssigem Wasser[29].
Hexagonales Wasser
Wasser mit sechseckiger Ordnung der Moleküle, wie im Eis Ih und in den Wabenschichten des EZ-Wassers.
Hydrophil
Wasserliebend. Eine hydrophile Oberfläche zieht Wasser an und wird leicht benetzt.
Hydronium
H₃O⁺, ein Wassermolekül mit einem zusätzlichen Proton. Es macht Wasser sauer.
H₃O₂⁻
Ein Hydroxid-Ion mit gebundenem Wassermolekül. Pollack ordnet diese Zusammensetzung dem EZ-Wasser zu[29].
Elektronenvolt (eV)
Eine Energieeinheit der Atomphysik: die Energie, die ein Elektron beim Durchlaufen einer Spannung von einem Volt gewinnt.
Quantenelektrodynamik (QED)
Die Theorie der Wechselwirkung von Licht und Materie. Auf ihr beruht das Modell der kohärenten Domänen[18].
Eis Ih
Die gewöhnliche Form von Eis. Die Moleküle bilden ein sechseckiges Gitter[9].
Infrarot
Licht mit Wellenlängen jenseits des sichtbaren Rots, als Wärme spürbar. Wasser absorbiert es am stärksten bei 2,95 Mikrometern[33].

Kohärenz in der Sprache der Physik

«Kohärentes Wasser» bezeichnet die Vorstellung, Wasser könne über längere Zeit geordnet vorliegen. Kohärenz ist in der Physik klar definiert und über Kohärenzlänge und Kohärenzzeit messbar.

Messbare Größe: Kohärenzlänge in Metern, Kohärenzzeit in Sekunden; für die Ordnung in Flüssigkeiten die Paarverteilungsfunktion, dimensionslos

Kohärenz heißt in der Physik: zwischen zwei Wellen besteht eine feste Phasenbeziehung. Gemessen wird sie als Kohärenzlänge in Metern und als Kohärenzzeit in Sekunden. Laserlicht hat Kohärenzlängen von Metern bis Kilometern, das Licht einer Glühbirne nur wenige Mikrometer.

Diese Unterscheidung ist Technik und keine Theorie. Die optische Kohärenztomografie nutzt gerade die sehr kurze Kohärenzlänge einer Lichtquelle, um Schichten im Gewebe auf wenige Mikrometer genau zu trennen.

Flüssiges Wasser hat eine gemessene Nahordnung. Jedes Molekül hat im Mittel etwa vier Nachbarn über Wasserstoffbrücken, und diese Anordnung wird mit Röntgen- und Neutronenstreuung als Paarverteilungsfunktion bestimmt.

«Kohärentes Wasser» trägt als Bild für eine Ordnung, die es wirklich gibt und die wirklich gemessen wird.

Wasser ist keine beliebige Ansammlung von Molekülen. Die Nahordnung im Wasserstoffbrücken-Netzwerk ist seit Jahrzehnten Gegenstand von Streuexperimenten und Schwingungsspektroskopie.

Quellen

  1. Del Giudice E, Spinetti PR, Tedeschi A (2010): Water Dynamics at the Root of Metamorphosis in Living Organisms. Water 2, 566–586. doi.org/10.3390/w203056612,06 eV, Ionisationsschwelle 12,60 eV, Domäne 0,1 µm mit rund sechs Millionen Molekülen.
  2. Zheng J-M, Chin W-C, Khijniak E, Khijniak E Jr, Pollack GH (2006): Surfaces and interfacial water: Evidence that hydrophilic surfaces have long-range impact. Adv. Colloid Interface Sci. 127, 19–27. doi.org/10.1016/j.cis.2006.07.002Zone typischerweise mehrere hundert µm breit, an vielen hydrophilen Oberflächen.
  3. Chai B, Mahtani AG, Pollack GH (2012): Unexpected presence of solute-free zones at metal-water interfaces. Contemporary Materials III-1, 1–12. doi.org/10.7251/COM1201001CAusschlusszonen auch an Metallen, an Zink bis etwa 200 µm.
  4. Chai B, Yoo H, Pollack GH (2009): Effect of Radiant Energy on Near-Surface Water. J. Phys. Chem. B 113, 13953–13958. doi.org/10.1021/jp908163wInfrarot 3,1 µm: Zone ×3,7 nach 10 min, ×6,1 nach 1 h; pH < 3 jenseits der Zone.
  5. Arani R, Bono I, Del Giudice E, Preparata G (1995): QED coherence and the thermodynamics of water. Int. J. Mod. Phys. B 9, 1813–1841. doi.org/10.1142/S0217979295000744Oberhalb einer kritischen Dichte geht Wasser in einen kohärenten Zustand über.
  6. Fecko CJ, Eaves JD, Loparo JJ, Tokmakoff A, Geissler PL (2003): Ultrafast Hydrogen-Bond Dynamics in the Infrared Spectroscopy of Water. Science 301, 1698–1702. doi.org/10.1126/science.1087251Brückenschwingung 170 fs, Umordnung des Netzes in 1,2 ps.
  7. Császár AG, Czakó G, Furtenbacher T u. a. (2005): On equilibrium structures of the water molecule. J. Chem. Phys. 122, 214305. doi.org/10.1063/1.1924506H-O-H-Winkel des freien Moleküls: 104,48°.
  8. Warnke U, Warnke F (2019): Bionisches Wasser. Arkana, München. ISBN 978-3-442-34247-1. S. 57: 12,06 eV; S. 81: Aufweitung von 104,5° auf 109° 28′.
  9. Kuhs WF, Lehmann MS (1981): Bond-lengths, bond angles and transition barrier in ice Ih by neutron scattering. Nature 294, 432–434. doi.org/10.1038/294432a0Im Eis Ih ist die Anordnung tetraedrisch (Neutronenbeugung bei 60 K).
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  11. Zheng J-M, Pollack GH (2003): Long-range forces extending from polymer-gel surfaces. Phys. Rev. E 68, 031408. doi.org/10.1103/PhysRevE.68.031408Erstbeschreibung: Mikrokugeln werden aus rund 100 µm vor einem Gel verdrängt.
  12. Bernal JD, Fowler RH (1933): A Theory of Water and Ionic Solution, with Particular Reference to Hydrogen and Hydroxyl Ions. J. Chem. Phys. 1, 515–548. doi.org/10.1063/1.1749327Erstes Strukturmodell des flüssigen Wassers und des Eises.
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  14. Warnke U (2018): Vortrag Baden-Baden, 3. November 2018. Folien 49 bis 56. Winkel, Domäne und EZ-Wasser als drei Zustände.
  15. Nilsson A, Pettersson LGM (2015): The structural origin of anomalous properties of liquid water. Nat. Commun. 6, 8998. doi.org/10.1038/ncomms9998Bis zu vier Brücken je Molekül; die Struktur schwankt zwischen zwei Klassen lokaler Anordnung.
  16. Eaves JD, Loparo JJ, Fecko CJ u. a. (2005): Hydrogen bonds in liquid water are broken only fleetingly. PNAS 102, 13019–13022. doi.org/10.1073/pnas.0505125102Nach weniger als 200 fs findet ein Molekül einen neuen Brückenpartner.
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  19. Preparata G (1995): QED Coherence in Matter. World Scientific, Singapur. doi.org/10.1142/2738Kap. 10: kritische Dichte 0,310 g/cm³ für 12,06 eV; Domänen rund 750 Å; Molekülabstand ≈ 3,1 Å.
  20. Del Giudice E, Voeikov V, Tedeschi A, Vitiello G (2015): The origin and the special role of coherent water in living systems. In: Fels D, Cifra M, Scholkmann F (Hrsg.): Fields of the Cell, Research Signpost, S. 95–111. ISBN 978-81-308-0544-3. S. 100: 12,06 eV; S. 104–105: aus Domänen-Wasser wird EZ-Wasser.
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  26. Chai B-H, Zheng J-M, Zhao Q, Pollack GH (2008): Spectroscopic Studies of Solutes in Aqueous Solution. J. Phys. Chem. A 112, 2242–2247. doi.org/10.1021/jp710105nAbsorptionsbande des EZ-Wassers bei rund 270 nm.
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  29. Pollack GH (2013): The Fourth Phase of Water: Beyond Solid, Liquid, and Vapor. Ebner & Sons, Seattle. ISBN 978-0-9626895-4-3. Kap. 3: 270 nm, Viskosität; Kap. 4: −120 bis −200 mV, Wabenschicht H₃O₂⁻.
  30. So E, Stahlberg R, Pollack GH (2011): Exclusion zone as intermediate between ice and water. WIT Trans. Ecol. Environ. (Water and Society), 3–11. doi.org/10.2495/WS110011Beim Schmelzen von Eis erscheint die 270-nm-Bande vorübergehend.
  31. Robertson WH, Diken EG, Price EA, Shin J-W, Johnson MA (2003): Spectroscopic Determination of the OH⁻ Solvation Shell in the OH⁻·(H₂O)ₙ Clusters. Science 299, 1367–1372. doi.org/10.1126/science.1080695Hydroxid-Ion mit gebundenen Wassermolekülen, spektroskopisch gemessen.
  32. Diken EG, Headrick JM, Roscioli JR u. a. (2005): Fundamental Excitations of the Shared Proton in the H₃O₂⁻ and H₅O₂⁺ Complexes. J. Phys. Chem. A 109, 1487–1490. doi.org/10.1021/jp044155vDas Ion H₃O₂⁻ in der Gasphase gemessen.
  33. Hale GM, Querry MR (1973): Optical Constants of Water in the 200-nm to 200-µm Wavelength Region. Appl. Opt. 12, 555–563. doi.org/10.1364/AO.12.000555Stärkste Absorption bei 2,95 µm.
  34. Wang A, Pollack GH (2021): Effect of infrared radiation on interfacial water at hydrophilic surfaces. Colloid Interface Sci. Commun. 42, 100397. doi.org/10.1016/j.colcom.2021.100397Mittleres Infrarot, 5 min: Zone ×1,41.
  35. Del Giudice E, Tedeschi A, Vitiello G, Voeikov V (2013): Coherent structures in liquid water close to hydrophilic surfaces. J. Phys.: Conf. Ser. 442, 012028. doi.org/10.1088/1742-6596/442/1/012028An Oberflächen ist der kohärente Anteil größer und stabil; Verbindung zu Pollacks EZ.
  36. Sulbarán B, Toriz G, Allan GG, Pollack GH, Delgado E (2014): The dynamic development of exclusion zones on cellulosic surfaces. Cellulose 21, 1143–1148. doi.org/10.1007/s10570-014-0165-yAusschlusszonen an Cellulose.

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