Was ist Elektrosmog?
Elektrosmog ist ein Alltagswort für die Felder, die Technik um uns herum erzeugt: niederfrequente aus der Stromversorgung und hochfrequente aus Handy, WLAN und Funk.
Das Wort ist aus Elektrizität und Smog zusammengesetzt und stammt aus der öffentlichen Debatte, aus der Physik kommt es nicht. Auch Behörden benutzen es, weil die Menschen danach fragen. Wer genauer sein will, nennt den Bereich, um den es geht.
Niederfrequente Felder entstehen überall, wo Strom fließt. Das Stromnetz in Deutschland schwingt mit 50 Hertz, und die Leitung in der Wand, die Herdplatte oder das Ladegerät erzeugen ein Magnetfeld, solange sie Strom ziehen. Gemessen wird es als magnetische Flussdichte in Mikrotesla.
Hochfrequente Felder entstehen überall, wo Technik funkt. Mobilfunk, WLAN und Rundfunk arbeiten mit Frequenzen von einigen hundert Megahertz bis in den Gigahertz-Bereich. Gemessen werden sie als elektrische Feldstärke in Volt pro Meter oder als Leistungsdichte in Watt pro Quadratmeter.
Der Unterschied ist wichtig, weil beide Bereiche anders auf den Körper wirken. Niederfrequente Felder können Nerven und Muskeln reizen, hochfrequente können Gewebe erwärmen, und die Grenzwerte schützen genau vor diesen beiden Wirkungen.
Ein Messgerät zeigt deshalb nie eine Zahl für „Elektrosmog“ an, weil das Wort mehrere Größen mit verschiedenen Einheiten zusammenfasst. Wer eine Belastung beziffern will, sagt dazu, welches Feld er meint, in welcher Einheit und in welchem Abstand.
Ob eine Studie zu Elektrosmog wissenschaftlich belastbar ist, erkennst du an ein paar Kriterien. Wurde verblindet, und gab es zum Vergleich eine Scheinbestrahlung? Stand der Auswertungsplan vorher fest, und haben genug Menschen teilgenommen, um den gesuchten Effekt überhaupt sehen zu können?
Was gemessen ist
Für ortsfeste Funkanlagen legt die 26. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz Grenzwerte fest, die von der Frequenz abhängen. Um 900 Megahertz sind es 41 Volt pro Meter, um 1800 Megahertz 58 Volt pro Meter und um 2000 und um 3600 Megahertz je 61 Volt pro Meter.
Die international empfohlenen Richtlinien reichen von 100 Kilohertz bis 300 Gigahertz und begründen ihre Werte mit der Erwärmung von Gewebe.
Für niederfrequente Magnetfelder liegt der empfohlene Referenzwert bei 100 Mikrotesla. Direkt an der Oberfläche liegen Haushaltsgeräte darüber, doch mit dem Abstand fallen die Werte steil ab. Ein Haarföhn liefert in drei Zentimetern zwischen 6 und 2000 Mikrotesla, in einem Meter noch 0,01 bis 0,3 Mikrotesla.
Das Bundesamt für Strahlenschutz führt mögliche Wirkungen unterhalb der Grenzwerte als wissenschaftlich diskutiert. Diskutiert heißt dort: weder nachgewiesen noch widerlegt.
Gut zu wissen
Ob unterhalb der Grenzwerte etwas passiert, ist noch nicht abschließend geklärt, und auch die Behörden halten die Frage offen.
Für die neueren Mobilfunkfrequenzen gibt es noch keine Beobachtungen über Jahrzehnte, weil sie erst seit wenigen Jahren im Einsatz sind.
Ob du selbst empfindlicher reagierst als der Durchschnitt, beantworten diese Arbeiten nicht, denn sie rechnen über viele Menschen.
Was senkt die Belastung durch Elektrosmog im Alltag?
Am meisten bringt Abstand: Leg das Handy weg vom Körper, schalte nachts den Flugmodus ein und den Router aus, das senkt die Belastung sofort und kostet nichts.
Abstand hilft immer. Die Stärke eines Feldes nimmt mit der Entfernung steil ab, bei Haushaltsgeräten liegen zwischen drei Zentimetern und einem Meter oft zwei bis drei Größenordnungen. Ein Ladegerät, das einen Meter weiter weg steht, ist die billigste Maßnahme, die es gibt.
Gegen Handystrahlung helfen dieselben Griffe. Im Flugmodus ist der Sender aus, und ein Gerät ohne Sender strahlt nicht. Mit Headset oder Freisprechen ist das Handy weg vom Kopf, und ein Handy mit gutem Empfang sendet mit weniger Leistung als eins, das im Funkloch nach dem Netz sucht.
Wenn du ein neues Handy kaufst, lohnt ein Blick auf eine Zahl im Datenblatt, die kaum jemand beachtet: den SAR-Wert. Er gibt an, wie viel Sendeleistung pro Kilogramm Körpergewebe im ungünstigsten Fall aufgenommen wird, und die Geräte unterscheiden sich darin deutlich. Hier entscheidest du schon beim Kauf, ohne später etwas umstellen zu müssen.
Das Schlafzimmer lohnt einen eigenen Blick, allerdings aus einem anderen Grund, als viele denken. Für das Funkfeld allein zeigen die Studien keinen Einfluss auf den Schlaf. Das Handy im Raum stört dagegen sehr wohl: Licht am Abend verschiebt die innere Uhr, und wer erreichbar ist, wird im Schlaf unterbrochen.
Die praktischen Tipps sind schnell erzählt. Das Handy lädt außerhalb des Schlafzimmers, der Router ist nachts aus, wenn ihn niemand braucht, und der Wecker steht nicht direkt am Kopfkissen. Damit sinkt die Feldstärke im Zimmer, Licht und Unterbrechungen sind gleich mit weg, und die Nacht gehört wieder der Erholung.
Auch die Sorge selbst wirkt mit, und darüber spricht kaum jemand. In einer Feldstudie schliefen Anwohner, die sich wegen einer Sendeanlage Sorgen machten, schlechter als die anderen, und zwar in den Nächten, in denen die Anlage gar nicht sendete. Ihre Beschwerden werden dadurch nicht kleiner. Es zeigt aber, dass der Weg vom Feld zum schlechten Schlaf auch über den Kopf führen kann.
Was gemessen ist
Messwerte des Bundesamts für Strahlenschutz zum Abstand, in Mikrotesla, jeweils bei drei Zentimetern, 30 Zentimetern und einem Meter. Haarföhn: 6 bis 2000, dann 0,01 bis 7, dann 0,01 bis 0,3. Staubsauger: 200 bis 800, dann 2 bis 20, dann 0,13 bis 2. Bohrmaschine: 400 bis 800, dann 2 bis 3,5, dann 0,08 bis 0,2.
Der empfohlene Referenzwert für das niederfrequente Magnetfeld liegt bei 100 Mikrotesla. In 30 Zentimetern Abstand bleiben die genannten Geräte deutlich darunter.
Im Fernfeld einer Antenne verteilt sich die Leistung über eine Kugelfläche. Bei doppeltem Abstand kommt noch ein Viertel der Leistungsdichte an, bei zehnfachem Abstand ein Hundertstel.
397 Anwohnerinnen und Anwohner zwischen 18 und 81 Jahren schliefen an zehn Orten in Deutschland zwölf Nächte lang neben einer Versuchs-Basisstation. Sie sendete in fünf Nächten und in fünf Nächten nicht. Weder die Schlafaufzeichnung noch die eigene Einschätzung unterschied sich zwischen beiden Bedingungen. In den Nächten ohne Sendung schliefen die Besorgten messbar schlechter als die Unbesorgten.
Wer vier Stunden vor dem Zubettgehen auf einem selbstleuchtenden Lesegerät liest statt auf Papier, braucht länger zum Einschlafen, schüttet abends weniger Melatonin aus und ist am Morgen weniger wach.
Eine Zusammenfassung von 20 Studien mit 125 198 Kindern und Jugendlichen hat untersucht, was ein Bildschirmgerät zur Schlafenszeit ausmacht. Das Chancenverhältnis für zu wenig Schlaf lag bei 2,17, mit einem Vertrauensbereich von 1,42 bis 3,32. Studien zur elektromagnetischen Strahlung hatte diese Auswertung von vornherein ausgeschlossen.
Gut zu wissen
Alle Zahlen sind Durchschnitte über viele Menschen oder Messreihen. Wie stark eine Maßnahme bei dir ankommt, merkst du am besten selbst.
Wenn du ein QiHome® Air hast, stell es dorthin, wo du dich viel aufhältst, am besten ins Schlafzimmer oder in einen zentral genutzten Raum.
Woher das kommt
- Bundesamt für Strahlenschutz: Haushaltsgeräte und Elektroinstallationen, mit der Tabelle magnetischer Flussdichten nach Abstand
- Bundesamt für Strahlenschutz: Grenzwerte beim Mobilfunk
- Bundesamt für Strahlenschutz: Hochfrequente elektromagnetische Felder, Einführung
- Danker-Hopfe H., Dorn H., Bornkessel C. u. a.: Do mobile phone base stations affect sleep of residents, American Journal of Human Biology 22, 2010, doi:10.1002/ajhb.21053
- Chang A.-M., Aeschbach D., Duffy J. F., Czeisler C. A.: Evening use of light-emitting eReaders negatively affects sleep, circadian timing, and next-morning alertness, PNAS 112, 2015, doi:10.1073/pnas.1418490112
- Carter B., Rees P., Hale L. u. a.: Association Between Portable Screen-Based Media Device Access or Use and Sleep Outcomes, JAMA Pediatrics 170, 2016, doi:10.1001/jamapediatrics.2016.2341
- OpenStax, University Physics Volume 2, Kapitel 16.3: Energy Carried by Electromagnetic Waves
- Qi Blanco: häufige Fragen
- Qi Blanco: Zellversuche, was sie sagen und was nicht
Woher das kommt
- 26. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, 26. BImSchV
- ICNIRP: Guidelines for Limiting Exposure to Electromagnetic Fields, 100 kHz bis 300 GHz, Health Physics 118, 2020, doi:10.1097/HP.0000000000001210
- Bundesamt für Strahlenschutz: Hochfrequente elektromagnetische Felder, Einführung
- Bundesamt für Strahlenschutz: Haushaltsgeräte und Elektroinstallationen, mit der Tabelle magnetischer Flussdichten nach Abstand
- Bundesamt für Strahlenschutz: Grenzwerte beim Mobilfunk
- Bundesamt für Strahlenschutz: Wissenschaftlich diskutierte biologische und gesundheitliche Wirkungen hochfrequenter Felder
- Weltgesundheitsorganisation: The International EMF Project
- Qi Blanco: Zellversuche, was sie sagen und was nicht
