Lexikon

Elektrosmog

«Elektrosmog» ist ein Sammelwort für die elektromagnetischen Felder im Alltag. Fachlich zerfällt es in mehrere Größen mit verschiedenen Einheiten.

Messbare Größe: elektrische Feldstärke in V/m, magnetische Flussdichte in Tesla, Leistungsflussdichte in W/m², spezifische Absorptionsrate in W/kg

Was Menschen damit meinen

«Elektrosmog» meint im Alltag alles zusammen: WLAN, Mobilfunk, Stromleitungen, Hausgeräte. Kunden sagen meistens Strahlung und meinen dasselbe.

Das Wort transportiert Sorge und ist deshalb selten neutral gemeint. Es ist ein Alltagswort und steht in keinem Physik-Lehrbuch. Die Vorstellung einer unsichtbaren Strahlung, die auf den Menschen einwirkt, ist älter als das Wort. Im deutschen Sprachraum geht sie auf die Radiästhesie der 1930er Jahre zurück, etwa auf Gustav Freiherr von Pohl.

Was die Physik dazu sagt

«Elektrosmog» ist kein Fachbegriff. Fachlich wird nach Frequenzbereich und nach Feldgröße getrennt, und diese Trennung ist der ganze Unterschied.

Im Niederfrequenzbereich, etwa beim Netzstrom mit 50 Hz, misst man die elektrische Feldstärke in Volt je Meter und die magnetische Flussdichte in Tesla, im Alltag in Mikrotesla.

Im Hochfrequenzbereich, etwa bei Mobilfunk zwischen 0,7 und 3,8 GHz oder WLAN bei 2,4 und 5 GHz, misst man die Leistungsflussdichte in Watt je Quadratmeter. Für die Aufnahme im Körper gilt zusätzlich die spezifische Absorptionsrate in Watt je Kilogramm.

Zwischen 50 Hz und 2,4 GHz liegt ein Faktor von rund 50 Millionen. Grenzwerte gelten in Deutschland über die 26. BImSchV, die sich auf die Empfehlungen der ICNIRP stützt.

Was die Übertragung trägt

«Elektrosmog» trägt als Alltagsname für etwas, das wirklich vorhanden und mit geeichten Geräten messbar ist.

Feldstärken sind messbar, und für sie gelten gesetzliche Grenzwerte. Wer von Elektrosmog spricht, meint einen realen Gegenstand.

Und was sie nicht trägt

«Elektrosmog» trägt nicht als eine einzige Größe.

Wer Elektrosmog misst, muss sagen, welche Frequenz und welche Feldgröße gemeint ist. Eine Zahl ohne Einheit und ohne Frequenzangabe lässt sich mit nichts vergleichen.

Die gesundheitliche Bewertung gehört nicht in ein Lexikon. Sie liegt bei den Stellen, die sie führen: beim Bundesamt für Strahlenschutz, bei der ICNIRP und bei der IARC, die hochfrequente Felder 2011 als möglicherweise krebserregend eingestuft hat.

Eine Einstufung beschreibt die Beweislage und kein Risiko. Der Eintrag nennt die Frage und beantwortet sie nicht, weil ihre Beantwortung dem Heilmittelwerberecht unterliegt und Sache der genannten Stellen ist.